Kneipp-Therapie

Wie viel andere Entdecker von Alternativ-Methoden ist auch Pfarrer Kneipp durch seine eigene Krankheit auf die Spur der Wasserheilung gestoßen, hat sie an sich selbst erfolgreich angewendet und daraus die nach ihm bekannte und weltweit anerkannte Methode entwickelt.

Was den Pfarrer von Wörishofen weltberühmt machte und ihm den Spitznamen "Wasserpfarrer" einbrachte, sind seine Wasseranwendungen. Das Wasser weckt, wenn es im Frühling und Sommer zur Erde niederfällt, überall Leben und Gedeihen, regt in der Pflanzenwelt alle Organe zu neuem Leben, zu erhöhter Tätigkeit an. Es erfrischt und belebt auch die Körperteile, welche alle zivilisierten Menschen täglich zu reinigen gewohnt sind.

Freilich ist es dem exzellenten und gewissenhaften Beobachter menschlicher Leiden und psychischer Äußerungen nicht entgangen, dass die Verwendung von Wasser auch die Seele anregen kann. "Viele hundert und tausend Gemütsleiden, Niedergeschlagenheit, Gedrücktheit, halbe Verzweiflung, Mutlosigkeit, Verstimmung würden nicht stattfinden, wenn man durch das frische Wasser die Hütte des Geistes fleißig säubern würde. Scheue und fürchte niemand die Waschungen mit kaltem Wasser, suche im Gegenteil Jeder bei diesem einfachen Mittel seine Hilfe".

Johann Sebastian Kneipp wurde – das oben angeführte Zitat zeigt es besonders deutlich – durch sein eigenes Leiden und durch überzeugende Selbstheilung zum Begründer der nach ihm benannten Heilverfahren. Da Pfarrer Kneipp aber, wie wir schon hörten, alle seine Therapien selbst auch überprüfte, wies er auf Grund reichlicher Erfahrung aber ausdrücklich darauf hin, dass auch im Falle des Wassers ein Übermaß schädlich ist.
Er schreibt: "Ich warne vor jedem zu starken und vor jedem zu häufigen Anwenden des Wassers. Der sonstige Nutzen des Heilelements kehrt sich in Schaden, das hoffende Vertrauen des Patienten in Furcht und Entsetzen."

Weltberühmt geworden ist der "Gießkannenpfarrer von Wörishofen" durch seine Wasserkuren. Da der geistliche Herr seine ersten "Kuren" mit eben diesem Gerät durchführte, hat man ihm dieses "Markenzeichen" verliehen, das ihm sein Leben lang erhalten blieb.

Die "Gesundheitslehre" von Pfarrer Kneipp beschränkt sich jedoch nicht allein auf die Behandlung Kranker mit Heilpflanzen oder Wasseranwendungen.

Sie ruht auf fünf Säulen: Hydro (Wasser)therapie, Bewegungstherapie, Diätetik, Pflanzenheilkunde und der so genannten Ordnungstherapie.

Für seine berühmt gewordenen Güsse verwendet Kneipp ursprünglich die Gießkanne. Heute wird dazu ein Schlauch verwendet, bei dem das Wasser ohne Druck entweichen kann. Von den Kneipp-Güssen gibt es eine Anzahl von Varianten. Beispielsweise: Knieguss, Schenkelguss, Unterguss, Armguss, Brustguss, Oberguss, Rückenguss, Vollguss, Blitzguss.


Hier einige Beispiele zum Selbermachen.

Der kalte Armguss:
Nehmen Sie den Schlauch in die linke Hand oder benützen Sie die Handbrause. Dann führen Sie den Wasserstrahl vom kleinen Finger langsam aufwärts zur Schulter, danach dreimal über die Armkugel hin und her und hernach an der Innenseite des Armes wieder hinab.
Das Gleiche geschieht mit dem linken Arm. Wiederholen Sie den Armguss nochmals. Jetzt streifen Sie die Wassertropfen von den Armen ab und ziehen die Kleidung über die noch nassen Arme und bewegen die Arme, bis diese trocken sind.
Dieser Guss wird Sie sicher erfrischen. Besonders an heißen Sommertragen ist das wirklich angenehm. In kürzester Zeit tritt dabei ein angenehmes Wärme- und Wohlgefühl auf.

Der Brustguss fördert die vertiefte Atmung und daher die Sauerstoffversorgung des Körpers. Das kommt besonders zum Tragen, wenn Sie üblicherweise sehr "flach" atmen. Begonnen wird dabei in gleicher Weise wie beim Armguss. Darauf wird bei abgewinkeltem Körper auch die Brust begossen. Das Wasser sollte aber nicht über den Bauch abrinnen – sorgen Sie durch ein um den Bauch gebundenes Tuch dafür, dass das nicht stattfinden kann. Der Guss kann, wie übrigens jeder andere Guss auch, warm, kalt oder wechselwarm (einmal kalt, einmal warm) durchgeführt werden.
Ganz besonders zu empfehlen ist der Brustguss bei verschleimtem Husten.

Ebenfalls leicht durchzuführen und problemlos ist der Gesichtsguss. Probieren Sie es einfach aus. Nehmen Sie die Brause zur Hand und richten Sie diese auf Ihr Gesicht. Damit erfrischen Sie nicht nur Ihre Gesichtshaut, sondern straffen sie auch. Der beste Effekt wird mit kaltem Wasser erzielt, das aber keineswegs zu kalt sein darf (gerade richtig sind 17 bis 20 Grad). und so wird es gemacht: Atmen Sie kräftig ein. Man beginnt an der rechten Schläfenseite und führt die Dusche zwei- bis dreimal langsam um das Gesicht herum. Nach einer kurzen Pause folgen einige Längsstriche rechts und links über die jeweilige Gesichtshälfte. Während des Gusses wird ausgeatmet. Nun atmen Sie wieder ein und umkreisen, indem Sie die Luft aus den Lungenflügeln lassen, nochmals das Gesicht.

Der kalte Knieguss wirkt auf Herz und Kreislauf anregend. Begonnen wird an der rechten kleinen Zehe und fährt dann langsam an der Außenseite des Beines bis zur Kniekehle hoch, über diese dreimal hin und her, um dann über die Innenseite des Beines abzugehen. Das Gleiche geschieht am anderen Bein. Zeigt sich eine leichte Rötung, ist dieser Guss richtig gemacht worden. Zu guter letzt werden auch noch die Fußsohlen abgegossen. Dieser Knieguss wird daraufhin ein zweites Mal durchgeführt. Dabei sollte ein leichtes Wärmegefühl auftreten.
Danach die Beine gut abstreifen und so vom anhaftenden Wasser befreien. Die Zehen und Zehenzwischenräume gut abtrocknen, um Fußpilz zu vermeiden.

Am häufigsten verwendet werden folgende Blitzgüsse:
Schenkelblitz, Rückenblitz (als Kalt- oder Heiß-Anwendung) und als Vollblitz. Dabei kommt das Wasser unter stärkerem Druck auf die Haut, was eine gleichzeitige Massagewirkung zur Folge hat. Alle Blitzgüsse können ebenfalls kalt, warm oder wechselwarm durchgeführt werden. Diese Form von Güssen können Sie allerdings nicht allein durchführten. Denn hier sollte der Wasserstrahl aus mindestens zwei Meter Entfernung ausgesprüht werden.

Überall leicht selbst machen können Sie Wassertreten und Barfuß laufen. Sollten Sie ein Blasen- oder ein Nierenleiden haben oder an Unterleibsbeschwerden leiden, bitte dann nehmen Sie Abstand vom Wassertreten.

Beginnen sollte man nie damit, wenn die Füße noch kalt sind. Nach dem "Rundgang" die Wassertropfen abstreifen und warme Socken anziehen. Danach soll ein kurzer Spaziergang von einer Viertel bis einer halben Stunde folgen, damit sich der ganze Körper wieder erwärmen kann.
Das schöne daran: Sie können das überall tun, wo Wasser vorhanden ist - am Meeresstrand genauso wie daheim in der Badewanne. Sehr belebend ist diese Wasseranwendung beispielsweise bei müden Beinen.

Natürlich hat Kneipp noch eine ganze Reihe anderer Wasseranwendungen entwickelt und in der Praxis verwendet. Doch diese sind den entsprechenden Kuranstalten vorbehalten, da nur ein Bruchteil davon selbst in den eigenen vier Wänden – etwa Bäder oder Waschungen – gemacht werden können. Unter anderem sind das Wickel sowie Auflagen, Dämpfe und Packungen. Letztere sind einfache Anwendungen, die sich auch von Laien durchführen lassen. Die bekanntesten sind die Heublumenpackung (auch Heusack genannt) und die Topfen- oder Quarkauflage.